Ansatz & Methode

Soziokratie

Soziokratie verteilt Entscheidungsbefugnisse auf Kreise und Rollen und trifft Beschlüsse im Konsent – dem begründeten Einwand statt der Mehrheit.

Stand: 2026-09-17

  1. HerausforderungSelbstorganisation einführen
  2. AnsatzSoziokratie
  3. Profile6 Experten

Kurz gesagt

Soziokratie ist ein Entscheidungs- und Organisationsmodell, bei dem eine Organisation ihre Entscheidungen in Kreisen trifft und Beschlüsse im Konsent fasst: Ein Vorschlag gilt, solange niemand einen schwerwiegenden, begründeten Einwand vorbringt. Entscheidungsbefugnisse sind an Rollen und Kreise gebunden statt an einzelne Hierarchieebenen, sodass Entscheidungen nachvollziehbarer werden und breiter mitgetragen sind.

Weitere Bezeichnungen: Sociocracy · Soziokratische Kreisorganisationsmethode

Person vor einem Whiteboard mit einem Ablaufdiagramm

Auf einen Blick

Internationaler Name
Sociocracy
Entscheidungsprinzip
Konsent – kein schwerwiegender begründeter Einwand
Grundstruktur
Kreise mit Rollen, Entscheidungsbefugnis im Kreis
Verbindung der Ebenen
Verbindungsrollen zwischen Kreisen
Typische Formate
Kreisversammlung, Konsentverfahren, Rollenwahl
Typischer Einsatz
Genossenschaften, Verbände, Netzwerke, wachsende Organisationen

Welches Problem dieser Ansatz adressiert

Entscheidungen hängen an wenigen Stellen

In gewachsenen Organisationen laufen Entscheidungen häufig über einzelne Führungskräfte oder ein kleines Gremium. Dadurch entstehen Wartezeiten, informelle Machtstrukturen und eine Beteiligung, die von der Verfügbarkeit einzelner Personen abhängt.

Beteiligung und Tempo werden gegeneinander ausgespielt

Konsensverfahren wirken langsam, rein hierarchische Entscheidungen schnell, aber schlecht getragen. Soziokratie setzt dazwischen an: Entscheidungen bleiben zügig, weil ein Einwand begründet und bearbeitet werden muss, statt alle Meinungen zu einer gemeinsamen Position zu verschmelzen.

Prinzipien

Konsent statt Konsens

Entscheidungen müssen nicht von allen befürwortet werden. Sie gelten, solange niemand einen schwerwiegenden Einwand vorbringt. Zustimmung wird damit von aktiver Befürwortung auf die Abwesenheit gravierender Hindernisse umgestellt.

Kreise als Entscheidungseinheiten

Das Entscheidungsrecht liegt dort, wo die Arbeit stattfindet: in Kreisen mit klarem Zweck, Mandat und abgegrenztem Verantwortungsbereich. Übergeordnete Kreise entscheiden nicht an Stelle der untergeordneten.

Rollen statt Personenstellen

Aufgaben werden als Rollen beschrieben und mit Entscheidungsspielraum ausgestattet. Rollen können wechseln oder aufgeteilt werden, ohne dass die Organisation ihre Zuständigkeiten jedes Mal neu verhandeln muss.

Rückkopplung durch Verbindungsrollen

Kreise bleiben verbunden: Über Verbindungsrollen werden Entscheidungen und Rückmeldungen zwischen Ebenen zurückgespielt, damit Erfahrungen aus der Praxis in übergeordnete Entscheidungen einfließen.

Wie der Ansatz funktioniert

  1. 01

    Kreise und Zweck klären

    Am Anfang steht die Frage, welche Entscheidungen künftig wo fallen sollen. Daraus entstehen Kreise mit eindeutigem Zweck, Verantwortungsbereich und einer ersten Rollenbeschreibung.

  2. 02

    Entscheidungen im Konsent treffen

    Vorschläge werden im Kreis vorgestellt, Verständnisfragen geklärt und Einwände gesammelt. Ein Einwand wird nicht wegabgestimmt, sondern geprüft und – wenn er schwerwiegend ist – durch eine Anpassung des Vorschlags entkräftet.

  3. 03

    Rollen besetzen und überprüfen

    Rollen werden für einen definierten Zeitraum besetzt und danach überprüft. So bleibt die Struktur veränderbar, ohne dass jede Anpassung zur Grundsatzdebatte wird.

  4. 04

    Verbindung und Rückfluss organisieren

    Verbindungsrollen tragen Entscheidungen und Rückmeldungen zwischen den Kreisen. Ohne diesen Rückfluss entsteht eine Gruppe von Kleinstorganisationen statt einer zusammenhängenden Organisation.

Passt – und passt weniger

Passt, wenn

  • Organisationen, in denen Entscheidungen aktuell an einzelnen Personen hängen und dadurch langsam oder intransparent werden
  • Verbände, Genossenschaften und Netzwerke mit vielen gleichberechtigten Mitgliedern oder Standorten
  • Vorhaben, bei denen Beteiligung und Umsetzungsgeschwindigkeit gleichzeitig gefordert sind
  • Organisationen, die Rollen klarer beschreiben wollen, ohne eine neue Führungsebene einzuziehen

Passt weniger, wenn

  • Situationen mit akuter Krise, in denen kurzfristig eine einzelne Entscheidungsinstanz handlungsfähig bleiben muss
  • Organisationen, die eine vorgegebene Struktur unverändert durchsetzen wollen
  • Teams, die weniger ein Entscheidungsverfahren als eine Konfliktklärung brauchen
  • Umgebungen ohne Bereitschaft, Entscheidungen zu dokumentieren und Rollen regelmäßig zu überprüfen

Typischer Einführungspfad

  1. 01

    Erkundung

    Zweck, Entscheidungswege und Schmerzpunkte aufnehmen und festhalten, welche Entscheidungen künftig dezentral fallen sollen und welche nicht.

  2. 02

    Pilotkreis

    Einen Kreis mit echtem Entscheidungsbedarf auswählen, Rollen klären, Konsentverfahren einführen und über mehrere Zyklen begleiten.

  3. 03

    Ausweitung

    Weitere Kreise anschließen, Verbindungsrollen besetzen und die Struktur am tatsächlichen Entscheidungsfluss ausrichten statt am Organigramm.

  4. 04

    Überprüfung

    Nach festgelegten Intervallen prüfen, ob Rollen, Kreiszuschnitte und Verfahren tragen. Anpassungen erfolgen wiederum im Konsent.

Verwandte Ansätze

Herausforderungen, für die dieser Ansatz relevant ist

Profile mit diesem Ansatz

Die Zuordnung stammt aus den strukturierten Methodenangaben der Profile und den ausgewiesenen Quellen.

Brigitta Buomberger

Wolfhalden, Schweiz

SoziokratieArt GmbH

Brigitta Buomberger leitet die SoziokratieArt GmbH im schweizerischen Wolfhalden. Als Certified Sociocracy Expert (CSE) unterstützt sie Organisationen in den Bereichen Beratung, Coaching und Moderation.

Rolle
Beratung · Coaching · Moderation
Sprache
Deutsch

Certified Sociocracy Expert (CSE)

en:tribe

Florian Bauernfeind ist als Certified Sociocracy Expert (CSE) tätig und arbeitet mit en:tribe aus Wien und dem östlichen Österreich. Seine Arbeit umfasst Beratung, Coaching, Moderation und Training auf Basis von Soziokratie.

Rolle
Beratung · Coaching · Moderation · Training
Sprache
Deutsch

Certified Sociocracy Expert (CSE)

Prinzip4

Jeannine Brutschin ist Certified Sociocracy Expert (CSE) und arbeitet über Prinzip4 in der Schweiz. Sie verbindet soziokratische Prinzipien mit systemischer Organisationsentwicklung und weiteren passenden Methoden.

Rolle
Moderation
Sprache
Deutsch

Suzanne Käser

Luzern, Schweiz

Certified Sociocracy Expert (CSE)

gleichwert gmbh

Suzanne Käser ist Certified Sociocracy Expert (CSE) und arbeitet mit der gleichwert gmbh von Luzern aus. Sie bietet Beratung und Coaching auf Basis von Soziokratie an.

Rolle
Beratung · Coaching
Sprache
Deutsch

Quellen & weiterführende Referenzen

Die Inhalte dieser Seite wurden eigenständig verfasst und anhand der folgenden öffentlichen Quellen geprüft.

Offizielle Website

Sociocracy For All

Sociocracy For All (Institute for Peaceable Communities, Inc.)

Geprüft am 2026-09-17

Quelle öffnen ↗

Publikation

Group decision making and how sociocracy helps

Sociocracy For All

Geprüft am 2026-09-17

Quelle öffnen ↗

Passende Expertise finden

Vergleiche Profile, die diesen Ansatz einsetzen – nach Rolle, Sprache und Zusammenarbeit.

Profile zum Ansatz ansehen